Schadensgutachten
Wertminderung, Nutzungsausfall & Co.: Diese Schadenspositionen werden oft 'vergessen'

Viele Geschädigte denken bei einem Unfall nur an die Reparatur ihres Fahrzeugs. Tatsächlich umfasst der zu ersetzende Schaden weit mehr Positionen – einige davon werden von Versicherungen routinemäßig 'übersehen'. Wer hier nicht aktiv einfordert, verschenkt schnell mittlere dreistellige bis vierstellige Beträge. Hier ein Überblick über alle Positionen, die Ihnen nach einem unverschuldeten Unfall zustehen.
1. Reparaturkosten – die Basis
Die fachgerechten Reparaturkosten inklusive Lackierung, Ersatzteile, Arbeitslohn, UPE-Aufschläge und Verbringungskosten sind voll erstattungsfähig. Bei Fahrzeugen unter drei Jahren oder mit lückenlosem Scheckheft haben Sie Anspruch auf eine markengebundene Fachwerkstatt mit deren regulären Stundenverrechnungssätzen.
2. Merkantiler Minderwert
Auch nach perfekter Reparatur sinkt der Marktwert eines Unfallfahrzeugs. Versicherungen 'vergessen' diese Position regelmäßig – ein unabhängiges Gutachten weist sie aus. Bei modernen Fahrzeugen sind 500 € bis mehrere tausend Euro üblich.

3. Nutzungsausfall oder Mietwagen
Während der Reparaturdauer haben Sie Anspruch auf einen Mietwagen vergleichbarer Klasse oder eine pauschale Nutzungsausfallentschädigung – wahlweise. Die Tagessätze für Nutzungsausfall reichen von 23 € (Kleinwagen) bis 175 € (Oberklasse) und richten sich nach der Schwacke- bzw. Sanden/Danner-Tabelle.
Wichtig: Auch bei fiktiver Abrechnung können Sie Nutzungsausfall geltend machen, wenn Sie das Fahrzeug während der nominellen Reparaturdauer tatsächlich nicht nutzen konnten.
4. Sachverständigenkosten
Die Kosten für Ihren unabhängigen Gutachter trägt vollständig die gegnerische Versicherung – sofern es sich nicht um einen Bagatellschaden handelt (Faustregel: ab ca. 750 € Reparaturkosten unstrittig erstattungsfähig).
5. Anwaltskosten
Bei voller Haftung der Gegenseite sind die Anwaltskosten Teil des Schadens. Sie zahlen also nichts aus eigener Tasche, wenn Sie einen Fachanwalt für Verkehrsrecht einschalten – im Gegenteil, statistisch erhalten Geschädigte mit Anwalt deutlich mehr.
6. Abschleppkosten und Bergung
Inklusive aller Standgebühren, Bergungskosten und Transport zur Werkstatt. Wichtig: Heben Sie alle Belege auf.
7. An- und Abmeldekosten
Bei Totalschaden und Fahrzeugneuanschaffung sind die Kosten für Abmeldung und Neuanmeldung erstattungsfähig.
8. Auslagenpauschale
Für Telefon, Porto, Fahrten zur Werkstatt etc. wird pauschal eine Auslagenpauschale von 25–30 € erstattet – ohne Einzelnachweis.
9. Heilbehandlungskosten und Schmerzensgeld
Bei Verletzungen: Behandlungskosten, Zuzahlungen, Verdienstausfall und Schmerzensgeld. Die Höhe richtet sich nach Art und Dauer der Verletzung – Schmerzensgeldtabellen geben Anhaltspunkte. Bei einem klassischen HWS-Schleudertrauma sind 500–1.500 € realistisch.
10. Wiederbeschaffungsaufwand bei Totalschaden
Bei Totalschaden: Wiederbeschaffungswert minus Restwert plus Wiederbeschaffungspauschale (oft 50–100 €). Achtung: Versicherungen versuchen häufig, einen überhöhten Restwert anzusetzen, indem sie spezielle Restwertbörsen nutzen. Ihr Gutachter ermittelt den realistischen Restwert vom örtlichen Markt.
Zusammengerechnet – ein Praxisbeispiel
Mittelklassewagen, 4 Jahre alt. Reparaturkosten: 5.800 €. Wertminderung: 800 €. Nutzungsausfall (10 Tage à 65 €): 650 €. Sachverständigenkosten: 850 €. Anwaltskosten: 950 €. Auslagenpauschale: 30 €. Abschleppkosten: 280 €. Summe: ~9.360 €. Die Versicherung wollte zunächst nur 5.800 € regulieren – mit Gutachten und Anwalt wurde der volle Betrag durchgesetzt.
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